Meine Chefin pflegt das immer zu sagen. Man muß nicht den gleichlautenden Buchtitel (der den Nahen Osten zum Thema hat) lesen, um zu verstehen, was damit gemeint ist. Ich bin zeitlebens Science Fiction-Fan. Wieso ist das wichtig? Weil eine der Grundprämissen der Science Fiction neben der Existenz von „Aliens da draußen“ die ist, das es den Bewohnern der Erde gelingt, sich irgendwann auch als solche zu sehen und eine globale Gesellschaft zu erschaffen. Klar, sogar in der lange als Literatur für Spinner und Realitätsflüchtlinge denunzierten SF fällt diese nicht so einfach vom Himmel. Die Gründung der planetaren Gemeinschaft geht auch da meistens mit Widerständen, Angst und harten Veränderungen einher, die sich jedoch meistens über einen sehr, sehr, sehr langen Zeitraum hinziehen. Der eiserne Griff der heutigen globalistischen Indoktrination und Propaganda erfüllt mich als „Erdenmenschen“ daher mit Schrecken. Warum? Weil es diffuse Kräfte zu geben scheint, denen diese Vorgänge anscheinend zu lange dauern oder die sie nicht mit genügend Nachdruck durchgesetzt sehen. Man will nicht warten, bis die Völker der Welt auf natürliche Weise ineinander aufgehen und auf Grundlage der jeweils besten Bestandteile ihrer jeweiligen Kulturen in einer neuen, einer globalen Einheit miteinander verschmelzen (im Volk der „Terraner“, so wird es in der SF allgemein genannt). Als wenn es nicht schon genug Probleme gäbe, wurde meines Erachtens nach eine ursprünglich positive Zukunftsvision in eine strategisch angelegte, gnadenlose Ideologie umgeformt, die sich heutiger psychologischer und technischer Errungenschaften bedient, um eine neue Kolonialherrschaft aufzubauen – jetzt eben im globalen Maßstab. Man „säubert“ die Nationen derzeit (noch) quasi mental von renitenten Elementen, und die neuen Sklaven bekommen heutzutage eben unsichtbare Peitschenhiebe, wenn sie nicht gehorchen. Kolonialismus 2.0 sozusagen. Ein großer Unterschied zu damals ist, das man die lokalen Bevölkerungen nicht einfach nur militärisch besiegt und ausbeutet. Heutzutage schiebt man sie auf dem weltweiten Schachbrett in noch viel größerem Maßstab wie Figuren umher, als wie das in der offiziell als Sklaverei bekannten Zeitperiode der Fall war. Man macht sie durch Pervertierung gesellschaftlicher Normen orientierungslos, entwurzelt sie durch weltweite Umsiedlung und beutet die Rohstoffquellen dann inmitten von allgemeinem Chaos ohne organisierte Gegenwehr durch deren lästige Besitzer aus. Interessierte Leser mögen sich doch einmal den Film „Avatar“ anschauen, in dem der Rohstoffrausch auf eine von fremden Wesen bevölkerte ausserirdische Welt verlagert wird – das Schicksal der Afrikaner und Indianer läßt sich aber gut wiedererkennen….
Doch nun hat ein neuer Spieler das Spielfeld betreten: China mit seiner lebensraum- und rohstoffhungrigen Bevölkerung von allein fast zwei Milliarden Menschen. Naja, das Reich der Mitte hatte bereits in der Historie Kontakte zu afrikanischen Ländern: Der anfangs ignorierte und dann als Phantast diskreditierte britische Autor Gavin Menzies, an dessen Forschungsergebnissen heute niemand mehr vorbeikommt, stieß die ganze Diskussion mit seinem Buch 1421 – Als China die Welt entdeckte über den vor sechshundert Jahren lebenden chinesischen Admiral Zhang He und dessen Schatzflotten bereits im Jahr 2003 an. Die Chinesen haben grundsätzlich dasselbe Ziel wie die Megakonzerne (also mehr oder weniger eigentlich nur eine Wachablösung der Westmächte), doch sie bauen wenigstens noch nützliche Infrastruktur auf. Und sie nerven die afrikanischen Herrscher vor allem nicht mit permanenten heuchlerischen Demokratisierungsforderungen. In der menschlichen Geschichte endeten Invasionen meistens damit, dass die kolonisierten Völker ihre Eigenständigkeit, ihr Selbstbewußtsein und letztlich ihre Identität verloren. Wenn die Verlierer einfach irgendwann nur in den Imperien aufgingen und assimiliert wurden, konnte das noch als Glücksfall gewertet werden. Die Alternativen dazu reichten von der totalen Marginalisierung innerhalb des neuen Staatsverbandes bis hin zur vollständigen Ausrottung. Die Geschichte kennt neben dem Schicksal der afrikanischen Völker zahlreiche tragische Beispiele, das der Indianer in den Amerikas oder das der Tibeter etwa, die sich nur auf den ersten Blick voneinander unterscheiden: die US-Indianer wurden mit Gewalt bekämpft und praktisch ausgelöscht, die Tibeter sahen und sehen sich einer derart großen staatlich organisierten Zuwanderung von Han-Chinesen ausgesetzt, das deren Kultur und Sprache ihre eigene praktisch hinwegfegt. Hierin erkennen viele Europäer zu ihrer eigenen Lebenssituation inzwischen gewisse Parallelen. Ich finde das sehr bedauerlich, da ich den Chinesen und ihrer Kultur ebenfalls sehr viel Sympathie entgegenbringe und auch einmal zwei Jahre lang Mandarin-Chinesisch gelernt habe. Afrika ist im Grunde eher Opfer dieser zweiten Variante, die wenn man so will damals schon eine frühe Art eines afrikanischen Hooton-Planes darstellte. Den Afrikanern wurden die Bildungssysteme, Sprachen und Kulturen der Kolonialherren übergestülpt, sie selbst wurden zudem zu Bürgern x-ter Klasse der Kolonialmächte erklärt. Rein theoretisch sollten sie damit natürlich auch wenigstens dieselben Rechte der „echten“ Franzosen, Engländer, Deutschen und so weiter erhalten, doch die Realität ist eine andere, wie selbst der heutige Umgang der sogenannten „Mutterländer“ mit den ungeliebten „Kindern“ zeigt. Der Imperialismus der Neuzeit besitzt ausser überwältigender militärischer und technologischer Macht nämlich eine vielleicht viel stärkere und gefährlichere Waffe: Die Unterworfenen wollen die Kultur der Kolonialmächte im Zuge der sogenannten Globalisierung übernehmen, sie sind richtig heiß darauf! Das ist so praktisch wie perfide, denn die Gefahr des gewaltsamen, langwierigen und daher auch kostspieligen Widerstandes wird dadurch deutlich minimiert. Schon nach dem zweiten Weltkrieg waren die Europäer im Allgemeinen und die Deutschen im Besonderen begierig dabei, die amerikanische Kultur geradezu zu inhalieren. Spiele, Musik, Filme, Literatur, all dies sind nun Ausprägungen einer globalisierten US-Kultur, die zivilisatorische Unterschiede, welche noch nicht nivelliert werden konnten, inzwischen demonstrativ als Diversität feiert. Wenn man die Globalisierung auf dem afrikanischen Kontinent in derselben intensivierten Form durchdrücken würde, wie das derzeit in Europa geschieht, fehlte dabei aber der historische Hintergrund, der in Deutschland auch heutzutage noch so hinderlich bei der realistischen Integrationsarbeit ist. Ich präferiere ja einen Panafrikanismus, der nationale und religiöse Auswüchse, wie sie Europa derzeit erschüttern, vermeidet und überflüssig machen soll. Aber ich spreche den Afrikanern nicht das Menschsein ab, nur weil sie sich noch nicht gehorsam von heute auf morgen in die gesichts-, meinungs-, kultur- und geschlechtslosen Arbeitsdrohnen verwandelt haben, die den Globalisten anscheinend vorschweben. Ein Weltbürger zu sein, bedeutet nämlich was anderes! Wenn sich alle trotz ihrer Unterschiede dereinst als Bewohner des Kontinentes Afrika sehen und die diversen Probleme dann auch als sämtliche Afrikaner betreffend begreifen und lösen wollen, ist schon einmal viel gewonnen. Doch ich wage mir nicht vorzustellen, was geschehen würde, wenn man den Afrikanern noch einmal von außerhalb in Herrenmenschenmanier die Art von Globalisierung verordnen würde, unter der Europa und besonders Deutschland ächzen… Und zwar ganz abgesehen von den verheerenden Auswirkungen, die ohnehin bereits durch die willkürliche Grenzziehungen auf der berüchtigten Berlin-Konferenz verursacht wurden. Die Neuordnung der kontinentalen Gemeinschaft müßte sowieso durch die Afrikaner selbst geschehen, vermutlich eher angesichts der bestehenden ethnischen Bindungen. Einem Fulbe ein schlechtes Gewissen einzureden, weil er sich als Fulbe empfindet, oder Südsudanesen als nationalistisch zu brandmarken, weil sie auf ihre neue, eigene Nation stolz sind, ist im afrikanischen Kontext ziemlich bizarr, das hat wohl auch noch niemand ernsthaft probiert. Doch ob es sich die Afrikaner auf Dauer wohl ohne Konflikte gefallen lassen würden, wenn statt der chinesischen Arbeiter auch plötzlich Millionen chinesischer Siedler kämen, die aber Chinesen bleiben wollen, auf ihrer kulturellen Identität beharren und im Gegenzug die einheimischen Schwarzen und deren kulturelle Eigenheiten verachten? Vereinzelte Stimmen, die meinen, die Chinesen nähmen den Afrikanern angeblich die Frauen, die Arbeit und die Wohnungen weg, gibt es anscheinend durchaus schon – wieso also sind denn diese populistischen Aussagen in der deutschen Presse kein Thema? Weil die Afrikaner der deutschen Presse in Wirklichkeit am ***** vorbeigehen, solange man sich nicht publikumswirksam als gütiger weißer Helferengel der im übrigen florierenden Hilfsindustrie generieren kann. Und man sägt ja nicht den Ast ab, auf dem man selbst sitzt. Eben. 感谢你们的关注Gǎn xiè nǐ mén de guān zhù (Danke für Ihre Aufmerksamkeit)!
Dietmar Doering

